Ein Artikel des "Wall Street Journal" bringt den Stuhl von Activision-Blizzard-Chef Bobby Kotick zum Wackeln. Der CEO habe mehr gewusst als zugegeben und in mindestens einem Fall einen der Belästigung beschuldigten Manager geschützt. Das Management-Board sprach Kotick vorsorglich das Vertrauen aus, zumindest noch.

Der Skandal um sexuelle Belästigung und diskriminierende Arbeitsbedingungen bei Activision Blizzard ist endgültig im Top-Management angekommen. Laut eines Berichts des "Wall Street Journal" sei Firmenchef Bobby Kotick früher und umfänglicher über entsprechende Vorwürfe informiert gewesen, als er selbst gegenüber dem Verwaltungsrat, in Interviews und anderen Dokumentationen zugab. Selbst nach Beginn der Untersuchungen habe er nicht vollumfänglich transparent informiert.

Doch dies ist nicht der einzige Vorwurf, den die Zeitung Kotick macht. Der Manager soll im Jahr 2006 selbst mindestens einmal eine bedrohende Sprachnachricht auf der Voice Mail einer weibliche Assistentin hinterlassen haben. Zudem schützte Kotick nach Angaben des "WSJ" 2017 den Manager Dan Bunting, als dieser der Belästigung beschuldigt wurde. Bunting war zu dieser Zeit Leiter des Studios Treyarch, eines von drei Studios, das Spiele zu Activisions Bestseller-Marke "Call of Duty" entwickelt. Statt Bunting sofort entlassen seien andere disziplinarische Maßnahmen ergriffen worden. Laut weiteren Medienberichten habe Bunting inzwischen das Unternehmen verlassen, allerdings erst, nachdem Anfragen zu dem Vorgang seitens des "Wall Street Journals" eingingen.

Die ABK Workers Alliance, ein Zusammenschluss aktueller und ehemaliger MitarbeiterInnnen des Konzerns, die das Ziel der Gründung einer Gewerkschaft verfolgen, forderten angesichts der Vorwürfe Koticks Rücktritt.

Der schweigt zu den Vorwürfen des "WSJ". Von offizieller Seite gab es lediglich ein Statement seitens der Board pf Directors, dem Kotick ebenfalls angehört. Darin wird Kotick und dem Vorstand des Konzerns der Rücken gestärkt: "Der Vorstand von Activision Blizzard bleibt dem Ziel verpflichtet, Activision Blizzard zum einladendsten und integrativsten Unternehmen der Branche zu machen. Unter der Führung von Bobby Kotick hat das Unternehmen bereits branchenweit führende Veränderungen umgesetzt, darunter eine Null-Toleranz-Politik bei Belästigung, ein Engagement für eine signifikante Erhöhung des Anteils von Frauen und nicht-binären Menschen in unserer Belegschaft sowie erhebliche interne und externe Investitionen, um die Chancen für verschiedene Talente zu erhöhen. Der Vorstand ist weiterhin zuversichtlich, dass Bobby Kotick die ihm zur Kenntnis gebrachten Probleme am Arbeitsplatz angemessen angegangen ist. Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, sind sowohl wichtig als auch ehrgeizig. Der Verwaltungsrat vertraut weiterhin auf Bobby Koticks Führung, sein Engagement und seine Fähigkeit, diese Ziele zu erreichen."

Wie lange der Verwaltungsrat Kotick die Stange halten wird, ist unklar. Seit Monaten zieht der Skandal, durch eine Klage des Department of Fair Employment and Housing des US-Bundesstaats Kalifornien wegen der Arbeitsbedingungen bei einem Blizzard-Studio ins Rollen kam, immer größere Kreise. Dabei gab es immer wieder personelle Abgänge. Unter anderem verließ die Chief Compliance Officer Frances Townsend das Unternehmen, jedoch nicht aus Protest, sondern weil sie das Vorgehen des Unternehmens verteidigte. Auf der anderen Seite droht inzwischen aber auch die auslösende Klage wegen Streitigkeiten auf Seiten der Behörden zu scheitern.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.
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