Aktionäre zeigen Infogrames die kalte Schulter
Infogrames schaffte es auch im zweiten Anlauf nicht, die eigenen Aktionäre zu mobilisieren. Auf der außerordentlichen Jahreshauptversammlung vom 12. Oktober konnte erneut keine Beschlussfähigkeit erreicht werden. Der Sanierungsplan soll nun Mitte November abgesegnet werden.
Offenbar schafft es Infogrames nicht, die eigenen Aktionäre von einer Zukunft des Unternehmens zu überzeugen. Auch im zweiten Anlauf scheitere der französische Publisher an dem Versuch, von der außerordentlichen Jahreshauptversammlung den Sanierungsplan absegnen zu lassen. Nachdem das Aktionärstreffen bereits Ende September abgesagt und verschoben werden musste, erlangte die Hauptversammlung auch am 12. Oktober keine Beschlussfähigkeit. Mindestens 20 Prozent der ausgegebenen Anteile müssten vertreten sein, um über die weitere Zukunft Infogrames' zu entscheiden.
Die großen Probleme, die Aktionäre zur Abstimmung zu bewegen, sind umso verwunderlicher, als Infogrames in der wohl größten Krise der Unternehmensgeschichte steckt. Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe lasten auf der Atari-Muttergesellschaft, die sich über kurz oder lang auch auf das operative Geschäft der internationalen Publishing-Gesellschaften auswirken werden. Insbesondere der immense Kapitalbedarf der defizitären US-Tochter dürfte ohne umgehende Sanierung des Gesamtkonzerns in absehbarer Zeit nicht mehr zu decken sein.
Nichtsdestotrotz hat der Infogrames-Vorstand die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Aktionäre doch noch mobilisieren zu können. Für den 15. November wurde ein weiteres außerordentliches Aktionärstreffen anberaumt, auf dem der Mitte September vorgelegte Sanierungsplan letztlich doch in die Wege geleitet werden soll. Der Vorstand ist zuversichtlich, mit den zum Teil harten Einschnitten das Unternehmen wieder auf gesunde Füße stellen zu können. "Ich bedauere sehr, dass von unseren mehr als 100.000 Eignern nur ein kleiner Teil den Weg nach Lyon gefunden hat. Der vorgelegte Sanierungsplan bietet die einmalige Gelegenheit, den Turnaround zu bewerkstelligen. Dies gelingt aber nur, wenn die Aktionäre dem Plan zustimmen", appellierte Infogrames-CEO Bruno Bonnell.