Bayerischer Koalitionsvertrag: "Hotspot der Games-Szene"
CSU und Freie Wähler haben sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt, der die Gamesbranche zwar nur spärlich erwähnt, aber dennoch Absichtserklärungen für die Ansiedlung internationaler Kooproduktionen und eine Stärkung der Kreativwirtschaft formuliert.
Der Koalitionsvertrag für die neue bayerische Landesregierung aus CSU und Freien Wählern steht und ist unterschrieben. Bereits bekannt war, dass das ehemals CSU-geführte Digitalministerium unter Judith Gerlach, das für die Games- und Medienförderung in Bayern zuletzt integral war, zu den Freien Wählern unter dem neuen Minister Fabian Mehring wechselt. Allerdings geht damit nicht die Medienförderung ins Repertoire der Freien Wähler über, denn der FFF Bayern wird vom Digitalministerium weg zu Söders Staatskanzlei übertragen. Damit behält die CSU die bayerische Förderinfrastruktur unter sich.
Nun lassen sich dem Vertrag weitere Details zum kommenden, gewollten Umgang mit Games im Bundesland entnehmen.
Tatsächlich sind die reinen Erwähnungen der Gamesbranche schnell abgearbeitet, denn nur in einem Abschnitt des Bereichs Digitalisierung werden Games und Computerspiele je einmal erwähnt. "Bayern ist ein Hotspot der Filmproduktion und der Games-Szene. Wir wollen beide Bereiche stärken und unter anderem mehr internationale Koproduktionen nach Bayern holen. Wir wollen die Computerspiel-Kreativwirtschaft weiter stärken", steht da im letzten Abschnitt. Kein Werden, sondern ein doppeltes Wollen also. Die neue Regierung legt sich damit nicht auf eine Stoßrichtung fest. Da Bayern mit einem kombinierten Förderbudget für Games und XR allerdings mit insgesamt 3,9 Millionen Euro weit oben in der Bundeslandliste steht und damit aktiv wirbt, lässt sich vermuten, dass die regionale Branche von dieser eher weichen Absichtserklärung zunächst dennoch keine Nachteile fürchten muss.
Darauf weist teilweise auch der Fokus auf Gründungen hin, der sich im Abschnitt zur bayerischen Wirtschaft findet. Games-Gründungen werden hier zwar nicht aktiv erwähnt, die Techbranche an sich und innovative Technologien alias ‘Deeptech’ allerdings schon. "Bayern ist deutschlandweit Start-up-Land Nummer eins und stolz auf seine Gründerinnen und Gründer. Ein Drittel des in Deutschland investierten Risikokapitals ist zuletzt nach Bayern geflossen. Den Deeptech-Standort Bayern wollen wir weiter stärken und unsere Technologieförderung für Tech-Start-ups weiter ausbauen. Die Rahmenbedingungen für Finanzierungen werden wir weiter optimieren. Wir wollen die Unternehmensansiedlung in Bayern weiterhin durch eine aktive Ansiedlungspolitik unterstützen und die bayerischen Unternehmen bei ihren Erweiterungsinvestitionen betreuen. Hierfür wollen wir Bayern International verstärken."
Mögliche Berührungspunkte mit der Gamesindustrie könnten auch die Vorhaben für die Wissenschaft mit sich bringen. "Wir begreifen Bayerns Hochschulen und Universitäten als unseren Trumpf im Wettbewerb um kluge Köpfe. Deshalb wollen wir die Qualität der Lehre weiter stärken. Hierzu setzen wir insbesondere auf die Stärkung des akademischen Mittelbaus und des wissenschaftsstützenden Personals sowie beste Studienbedingungen für Bayerns Studierende. Wir wollen Bayerns Rolle als globaler Top-Standort für die technologische Grundlagen- und Spitzenforschung ausbauen. Als Kulturstaat messen wir zugleich den Geisteswissenschaften größte Bedeutung im Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Staat und Gesellschaft bei." Da Bayern als Standort beispielsweise des interdisziplinären Studiengangs Computerspielwissenschaften in Bayreuth oder Games Engineering an der TU München von staatlicher Seite wichtige Studienangebote für die Gamesindustrie bietet, bleibt abzuwarten, ob diese auch von einer möglichen Stoßrichtungsänderung bei der Wissenschaft betroffen sein oder gar profitieren könnten.