Der Rat der Europäischen Union hat unter der spanischen Ratspräsidentschaft zum ersten Mal einen Beschluss zum Thema Videogames verabschiedet. Dieser fordert die EU-Kommission dazu auf, Kultur- und Wirtschaftsförderung für die Branche in Gesetze zu gießen. Der europäische Branchenverband Video Games Europe begrüßt den Vorstoß.

Zum allerersten Mal hat der Rat der Europäischen Union einen Beschluss verabschiedet, der sich allein mit dem Thema Games befasst. "Die Videospielbranche ist ein integraler Bestandteil des Ökosystems der Kultur- und Kreativwirtschaft. Sie interagiert mit anderen Sektoren und hat ein großes Potenzial, kulturelle Inhalte zu vermitteln und den Wert des Reichtums des europäischen Schaffens, Erbes und der Geschichte hervorzuheben. Gleichzeitig ist die Videospielbranche ein boomender Wirtschaftszweig - das beweist die Tatsache, dass die Einnahmen der Videospielbranche in der EU im Jahr 2020 4,3 Mal höher waren als die der digitalen Musik und 1,8 Mal höher als die von Video-on-Demand", so die Begründung des Rats zur Beschäftigung mit dem Thema.

Die Inhalte des Beschlusses sind zweispurig. Zum einen ruft der Rat die Mitgliedstaaten auf:

  • die kreative und kulturelle Dimension von Videospielen zu unterstützen, einschließlich von Möglichkeiten der Nutzung von Daten des kulturellen Erbes im kreativen Prozess und des Schutzes der Rechte des geistigen Eigentums
  • europäischen Videospielunternehmen zu helfen, zu wachsen, zu innovieren und Zugang zu Finanzmitteln zu erhalten
  • Anziehung und Bindung von Talenten unter den Videospielprofis auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu fördern
  • verantwortungsvolles Spielen zu fördern und ein sicheres Online-Umfeld für Videospiele zu gewährleisten.
Aufforderung an die Kommission, gesetzgebend tätig zu werden

Beschlüsse des Rats der EU sind nicht von sich aus rechtlich bindend, sondern sind stattdessen demokratisch gefasste Aufforderungen an die EU-Kommission, im Feld des Beschlusses rechtlich bindend tätig zu werden. Entsprechend ersucht der Rat die Kommission, folgende Punkte in ihre Arbeit mit aufzunehmen:

  • Die Gleichstellung im Videospielsektor zu fördern, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern und gleiche Bezahlung zu gewährleisten
  • Grenzüberschreitende Koproduktionen von Videospielen zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern
  • Die Zusammenarbeit mit anderen Kulturindustrien und Sektoren der europäischen Wirtschaft zu unterstützen
  • Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Videospielunternehmen, insbesondere der kleinen und mittelgroßen, zu stärken

Die Arbeit am Beschluss ergab sich aus der EU-Ratspräsidentschaft Spaniens, die bereits zum Antritt der halbjährigen Präsidentschaftsperiode im Juli auf einer Tagung "Culture and Video Games" zum Leitthema machten, an der auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz teilnahm. "Videospiele stehen für europäische Kreativität und Innovation, und es sollte mehr getan werden, um das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu fördern", so Ernest Urtasun i Domènech, spanischer Minister für Kultur.

Video Games Europe begrüßt den Beschluss

Der europäische Gamesbranchenverband Video Games Europe (VGE) begrüßt den Vorstoß des Rates. Simon Little, CEO von VGE, sagte dazu: "Wir begrüßen die Schlussfolgerungen des Rates, die den bedeutenden wirtschaftlichen, kreativen und kulturellen Beitrag unseres Sektors für Europa anerkennen. Der Kontinent hat die einmalige Chance, ein führender Standort für die Entwicklung von Videospielen zu werden, an dem heute mehr als 110 000 Menschen beschäftigt sind, und morgen sogar noch mehr, wenn die richtigen Anreize geschaffen werden.

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Written by

Pascal Wagner
Pascal Wagner is Chief of Relations of GamesMarket and Senior Editor specialised in indie studios, politics, funding and academic coverage.