Hochkarätige Gamereleases hielten die Spielergemeinde vergangenes Jahr bei Laune. Die Weichen für 2005 sind auf auf Erfolg gestellt.

Die Zeichen für 2005 stehen gut. Im vergangenen Jahr kamen einmal mehr Releases für die Videospielkonsolen von Sony Computer Entertainment, Microsoft und Nintendo auf den Markt; Veröffentlichungen für die in Ehren ergraute PSone spielten indes nur noch am Rande eine Rolle.

Während bei GameCube allenfalls die Linkoption genutzt wird, beispielsweise beim erfolgreichen "Mario Kart: Double Dash!!", ist ein Großteil der PS2- und Xbox-Spiele mittlerweile onlinefähig. Und 2004 bekamen auch die Sportspiele von Electronic Arts eine Anbindung an Xbox Live spendiert.

Willkommen im Word Wide Web

Wenngleich die Onlineanbindung der Konsolen bislang leider kaum für downloadbaren Bonuscontent genutzt wurde, so schmälerte sie doch die Bedeutung des PCs als Spieleplattform, zumal hier Managementtitel, Strategiespiele und insbesondere Simulationen inzwischen Mangelware geworden sind.

Rund 1700 Neuheiten für PC und Konsole buhlten um Fläche in den Handelsregalen, was in etwa dem von 2003 entspricht. Immerhin haben die Publisher in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft ein wenig entzerrt und einige Toptitel wie "Gran Turismo 4" nicht mehr im Dezember veröffentlicht, sondern gleich auf das 1. Quartal des kommenden Jahres verschoben.

PlayStation 2 auf Vormarsch

Mit rund 350 gemeldeten Spielereleases konnte die PlayStation 2 in diesem Jahr ihren Vorsprung in puncto Titelvielfalt gegenüber der Xbox (circa 200 Titel) und dem GameCube mit knapp 110 Titeln weiter ausbauen. Plattformübergreifend dominierten einmal mehr Sequels und insbesondere Actiongames den bunten Genrereigen zwischen Vollpreis, Midprice und Budget.

Für die weibliche Zielgruppe, die mit Actionspielen in der Regel kaum etwas anfangen kann, gab es nur wenig geeignete Releases, allen voran der Blockbuster "Die Sims 2".

Action, wohin das Auge reicht

Wie zu erwarten, gaben sich, dem Trend der letzten Jahre folgend, erneut unzählige Schleich- und Taktik-Shooter vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs oder Vietnams die Ehre.

Das zunehmende Bestreben der Entwickler, die Schrecken eines Kriegs noch authentischer zu gestalten, gipfelte in der diesjährigen Indizierung von "Shellshock: NAM '67", welches das Kriegsgeschehen in Vietnam ungeschönt und mit aller Härte wiedergibt.

Doch nicht so sehr die Taktik-Shooter als vielmehr Ego-Shooter standen 2004 im Rampenlicht.

Erhitzte Gemüter

Angefangen bei der deutschen Vorzeigeentwicklung "Far Cry" über das nervenzerreißende "Doom 3" und das optische wie spielerische Meisterwerk "Half-Life 2" bis hin zum onlinefähigen Actionkracher "Halo 2" - sie alle führten das Genre der Ego-Shooter zu neuen Ehren, beschworen aber auch die eine oder andere Gewaltdiskussion herauf.

Der große Hype um "Halo 2" bescherte Microsoft eigenen Aussagen zufolge allein in den USA rund drei Millionen durchverkaufter Exemplare innerhalb der ersten Verkaufswoche. Ein angesichts der installierten Hardwarebasis sensationeller Erfolg.

Ein Spiel schreibt Geschichte

Entsprechend wird der Erfolg einer Neuveröffentlichung nicht mehr nur an den angesetzten Stückzahlen gemessen, sondern auch daran, in welchem Zeitraum Verkaufserfolge eingefahren werden.

Bestes Beispiel hierfür ist das allein schon ob seines schieren Umfangs verdientermaßen von vielen Fachredaktionen zum PS2-Spiel des Jahres gekürte "Grand Theft Auto: San Andreas".

So wurde dem Actionspiel von Take 2 Interactive von Charttrak der größte Starterfolg in der britischen Videospielhistorie bescheinigt. In Deutschland heimste die Rockstar-Entwicklung bereits einen Platin-Award des VUD für 200.000 verkaufte Einheiten ein.

Chartbrecher

Nur wenig am Lack von "GTA" kratzen konnte "Driv3r" von Atari, das trotz seiner - im Vergleich zu "Matrix" kaum nennenswerten - technischen Unzulänglichkeiten ebenfalls zu den viel beachteten Topsellern des Jahres gezählt werden darf.

Als Überflieger und echter Longseller gleichermaßen konnte sich in diesem Jahr "Need For Speed" behaupten - und das nicht nur gegenüber den Genrekonkurrenten.

Der Rennspielspaß von Electronic Arts dominierte wochenlang die Spitze der PC- und Konsolencharts und gibt nun in der Zweitverwertung nochmals ordentlich Gas. Unterdessen schickt sich der erst kürzlich veröffentlichte zweite Teil an, den Erfolg des Vorgängers zu toppen.

Vollgas voraus

Als wäre der große Hype um "Need For Speed" und dessen Nachfolger nicht schon genug gewesen, hatte EA mit der rasanten Crashorgie "Burnout 3" ein weiteres Rennspielass im Ärmel, von dem bislang laut Firmenangaben über eine Million Units allein in Europa verkauft werden konnten.

Die Mehrzahl der diesjährigen Veröffentlichungen zeugen von der Einsicht der Publisher, dass mit halbgaren Entwicklungen kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, zumal wenn die Konkurrenz groß ist.

"NFS: U" bricht alle Rekorde

Inzwischen haben erfreulicherweise auch filmbasierte Spiele und Lizenzprodukte ihren einstigen Schrecken verloren, was maßgeblich auf die aufwendigen Umsetzungen zu "Der Herr der Ringe", "Harry Potter", "Star Wars" und "Spider-Man 2" zurückzuführen ist.

Neben EA und "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde" sowie unter anderem CDV ("Panzers - Phase One") hat sich in diesem Jahr auch Publisher THQ um das unterbesetzte Strategiegenre verdient gemacht: Mit seinem Look & Feel eines Taktikshooters bot "Full Spectrum Warrior" ein völlig neuartiges Spielerlebnis.

Ein weiteres Strategiehighlight schickte Nokia ins Rennen, denn eindrucksvoll führt die Eigenentwicklung "Pathway To Glory" vor Augen, welch hohen Spaßfaktor N-Gage-Spiele im Zusammenwirken mit der N-Gage Arena haben können.

EyeToy sorgt für Bewegung

Ganz im Zeichen eines gemeinschaftlichen Spielerlebnisses standen auch die Activity Games, die nach der letztjährigen Initialzündung durch EyeToy von SEC Europe ihren Siegeszug fortsetzten.

Selbst Electronic Arts ließ es sich nicht nehmen, die Nutzung der EyeToy-Technologie als Bonusfeature in die PS2-Versionen von "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" und "Die Urbz" zu integrieren.

Der zweite Teil der Minispielsammmlung "EyeToy: Play" gewann deutlich an Spielwitz, da z. B. die Bewegungen des Spielers erstmals in der räumlichen Tiefe erfasst werden. Unter anderem bietet "EyeToy: Play 2" auch das erstmals von "TIF 2005" eingeführte Cameo-Feature, mit dessen Hilfe der Spieler sein zuvor via USB-Kamera erfasstes Porträt auf das Gesicht einer Spielerfigur übertragen kann.

Singing in the rain

Doch nicht nur EyeToy, dessen "Chat"-Ausgabe PS2-Besitzern neue Möglichkeiten der Onlinekommunikation eröffnete, machte von sich reden.

Insbesondere die weibliche Zielgruppe dürfte sich von den Karaokespielen "SingStar" und "SingStar Party" begeistern haben lassen. Doch auch Jungs ließen sich angesichts der verblüffenden technischen Umsetzung gern vor Mitspielern zum Affen machen.

Apropos Affen: Auch Nintendo nutzte den Hype um Activity Games und holte kurzerhand den Trommelspaß "Donkey Konga" - und damit das wohl witzigste Activity Game des Jahres nach Europa.

Innovationen mit Pep

Den innovativsten Controller veröffentlichte indessen Publisher Atari: Auch mit dem GameTrak werden dreidimensionale Bewegungen erfasst, erstmals genutzt für das mitgelieferte Beat'em-up "Dark Wind".

Tröstlich zu wissen, dass der nicht ganz preiswerte Spaß im Frühjahr mit zahlreichen weiteren Spielauskopplungen fortgeführt werden soll.

Das ungewöhnlichste Spiel für Game Boy Advance steuerte Konami mit "Boktai" bei, wenngleich das Action-Adventure aufgrund begrenzter Stückzahlen ein wenig in der diesjährigen Titelflut untergegangen ist: Ein in die Spielcartridge eingebauter Lichtsensor misst die Helligkeit der Umgebung, was sich direkt auf das Gameplay auswirkt und jedes Spiel anders gestaltet.

Neue Handhelds in Sicht

Pfiffiges "Zubehör" für das meistverkaufte Handheld lieferte Nintendo mit dem Wireless Adapter - sozusagen die Antwort auf das Bluetooth-Feature von N-Gage -, eingeführt mit den neuen "Pokémon"-Editionen "Feuerrot" und "Blattgrün".

Der andauernde Erfolg des Game Boy Advance SP, der besonders in diesem Jahr in immer ausgefalleneren Designs angeboten wurde, spiegelt sich auch in der Anzahl veröffentlichter Titel wider, die in etwa jener für GameCube entsprach.

Vielversprechendes Jahr

Egal, was der technologische Fortschritt noch so alles mit sich bringen mag: Ein Großteil der diesjährigen Topseller wird uns auch künftig erhalten bleiben - sei es in Form eines Add-on oder als Fortsetzung, als Budgetrelease oder als Version für die kommende Handheldgeneration.

Neben Gizmondo und Zodiac sind es vor allem der Nintendo DS und Sonys PSP, die lange vor dem anstehenden Europastart ihre Schatten vorauswarfen und ein spannendes Spieljahr 2005 versprechen.

Bleibt zu wünschen, dass es in den kommenden Monaten noch mehr deutsche Entwickler schaffen, ihre Gameplayvisionen umzusetzen. Denn was wäre das Spieljahr 2004 ohne Softwareperlen wie "Far Cry", "Sacred" oder "Die Siedler: Das Erbe der Könige" gewesen.

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By Marcel Kleffmann 2 min read