Im Gespräch: Efthimios Sidiropoulos, McMedia
In der stürmischen See des Markts wirkt McMedia wie ein Fels in der Brandung. Dank der bankverbürgten Zentralregulierung stehen die Lieferanten auf der sicheren Seite und die Mitglieder auf festem Grund. Doch nicht jeder Interessent eignet sich als McMedianer, die Gruppe ist wählerisch. Darüber ein Gespräch mit Produktgruppen-Manager Efthimios Sidiropoulos.
GamesMarkt.de: McMedia befindet sich in ihrem fünften Jahr. Wie steht es um die Kooperation im derzeitig schwierigen Markt?
Efthimios Sidiropoulos: Obwohl die wirtschaftliche Lage allgemein nicht so rosig ist, verzeichnen wir als Kooperation ein kontinuierliches Wachstum. Im Sektor McMedia haben wir ein starkes Umsatzwachstum gehabt. Allein im ersten Halbjahr 2002 konnten wir um 34 Prozent zugelegen. An Mitgliedern zählen wir jetzt 66 McMedia-Partner. Was mich aber besonders erfreut, ist die Tatsache, dass es seit der Gründung von McMedia im März 1998 bei unseren Stores keine einzige Geschäftsaufgabe gegeben hat. Das ist eine sehr positive Bilanz, insbesondere wenn man die derzeitige Welle an Insolvenzen im Gameshandel und auf Industrieseite berücksichtigt. McMedia hat sich längst etabliert und trägt eindeutig zur Stabilisierung und Förderung des Gamesfachhandels bei. Das ist für die gesamte Branche nützlich und wird uns von der Industrie deutlich bestätigt.
GM: Trotzdem besteht bei manchen Einzelhändlern immer noch Aufklärungsbedarf, wer oder was McMedia ist.
Sidiropoulos: Ja. Manche halten uns immer noch für einen klassischen Großhändler, was wir aber definitiv nicht sind. Vielmehr ist McMedia eine Einkaufs- und Marketingkooperation für mittelständische Fachgeschäfte, die Video- und Computerspiele vertreiben. Wir ruhen auf mehreren Säulen: auf den Leistungen von Marketing auf der einen und auf Einkauf sowie Konditionen auf der anderen Seite. Wir haben mit allen wichtigen Lieferanten der Spielebranche Zentralregulierungsverträge mit zusätzlichen Vorteilen für die Mitglieder abgeschlossen.
GM: Zentralregulierung bedeutet was?
Sidiropoulos: Wir haben kein eigenes Zentrallager, sondern Abkommen mit der Industrie und leistungsfähigen Spezialgroßhändlern. Der McMedia-Einzelhändler kann selbst entscheiden, wo er seine Ware kaufen möchte. Er muss nur seine McMedia-Kundennummer angeben, dadurch ist er bei der Industrie automatisch gelistet. Durch die Kundennummer weiß die Industrie, dass sie bei dem Händler eine Zahlungsgarantie hat. Somit ist sichergestellt, dass die Industrie durch unsere bankverbürgte Zentralregulierung die höchste denkbare Zahlungssicherheit bekommt. Daraus resultieren entsprechende Einkaufsvorteile, weil wir in der Masse unserer Mitglieder als 'gebündelter Kunde" gegenüber der Industrie auftreten können. Diese konditionellen Vorteile reichen wir an unsere Mitglieder weiter. Zudem muss der McMedia-Händler nicht mit der Industrie über Konditionen verhandeln, weil die Zentrale diese bereits vorher ausgehandelt hat. Der Vorteil ist, dass jedes McMedia-Mitglied gleichzeitig idee + spiel-Kommanditist ist. Dadurch besteht Zugriff auf alle idee+spiel-Vorteile, das heißt, auch auf alle Lieferanten aus der Spielwarenbranche wie Mattel, Hasbro und Lego. Solche Synergien sind heutzutage sehr wichtig, etwa im Bereich Merchandising.
GM: McMedia ist in einen größeren Verbund eingebunden, dessen Name bereits gefallen ist: idee+spiel.
Sidiropoulos: McMedia ist in die große Gruppe idee+spiel eingegliedert, aber kein Tochterunternehmen. idee+spiel selbst begeht im Oktober dieses Jahres ihr 25-jähriges Bestehen. McMedia ist seit 1998 als Marketingschiene in den idee+spiel-Verbund integriert, dem rund 1000 Fachgeschäfte angehören. Von Beginn an standen McMedia somit alle Instrumente, die eine Kooperation auszeichnen, zur Verfügung. Wir mussten uns nicht um die Investition einer Unternehmensgründung kümmern, sondern haben auf dem aufgebaut, was idee+spiel bereits seit Jahren erfolgreich praktizierte. Dadurch konnten wir uns gleich auf unser Spezialgebiet konzentrieren: den Video- und Computerspielefachhandel.
GM: Rekrutiert McMedia seine Mitglieder aus denen von idee+spiel?
Sidiropoulos: Teilweise ja. Um Partner von McMedia zu werden, muss man nicht zwangsläufig reiner Gamesstore sein. Voraussetzung ist jedoch, dass man eine Fachabteilung für Games hat, egal ob es sich um ein Spielwarenfachgeschäft, ein Elektrofachgeschäft oder einen reinen Gamesstore handelt. In der Kooperation idee+spiel haben wir ca. 300 Mitglieder, die Games führen. Das allein reicht aber nicht für eine Partnerschaft in der Marketingschiene McMedia aus. Hierzu muss er eine profilierte Abteilung für Games haben. Denn wer sich im Bereich Games engagiert, kann daraus zusätzliche Vorteile generieren. Zumal für ein idee+spiel-Mitglied dadurch keinerlei Mehraufwand entsteht.
GM: Welche Voraussetzungen muss ein Händler erfüllen, um Mitglied zu werden?
Sidiropoulos: idee+spiel ist eine KG. Voraussetzung ist also, dass er Kommanditist wird und an der Zentralregulierung teilnimmt. Das Neumitglied zahlt eine einmalige Einlage in Höhe von 2.000 Euro und erwirbt somit einen Anteil an der Verbundgruppe. Wenn der Kandidat sich eines Tages entschließen sollte, wieder auszutreten, bekommt er seine Einlage zurück. Zudem gibt es eine monatliche Pauschale, die für alle Partner gleich ist und nicht vom Umsatz abhängt. Auch bei unseren Leistungen gilt: Alle Mitgliedern werden gleich behandelt. Das trifft auch auf die jährliche Ausschüttung zu. Das zeichnet uns in der Branche aus. Unser Bonus bei der Jahresausschüttung ist höher als bei allen anderen Kooperationen der Branche zusammen. Das Konzept finanziert sich dadurch, dass alle Beteiligten eine Win-Win-Situation haben. Die Industrie leistet ihren Beitrag, weil sie sich die Zahlungssicherheit und unsere Marktaufbereitung etwas kosten lässt. Und unser Verbundpartner kann seinen Mitgliedsbeitrag leicht aus den Konditionsvorteilen refinanzieren, die er durch seine Mitgliedschaft erhält. Und darüber hinaus profitiert er noch von unseren Marketingaktivitäten.
GM: Das klingt alles sehr überzeugend, was sich wiederum in steigenden Mitgliederzahlen niederschlagen müsste. Die Gruppe der McMedianer ist aber relativ konstant. Wieso?
Sidiropoulos: In der Tat verzeichnen wir nur ein leichtes Wachstum in der Mitgliederzahl. Fest steht aber, dass wir wachsen. Fest steht auch, dass wir keine Partner im McMedia-Sektor verlieren. Um auf ihre Frage zurückzukommen: Es ist gar nicht so einfach, insbesondere in der vorherrschenden schwierigen wirtschaftlichen Lage, liquide Einzelhändler zu finden, die in unser System eingegliedert werden können. Wer mit uns kooperieren möchte, muss über eine gewisse Liquidität verfügen, weil unsere Bank, mit der wir in der Zentralregulierung zusammenarbeiten, für unsere Einzelhändler gegenüber der Industrie zu 100 Prozent das Risiko übernimmt. Der Einzelhändler muss also eine ordentliche Bilanz haben und mindestens sechs Monate auf dem Markt aktiv sein, damit die Bank ein gewisses Vertrauen zu ihm aufbauen kann. Die Voraussetzungen für eine Aufnahme müssen stimmen. Das Interesse von Einzelhändlern an einer Aufnahme bei uns ist sehr groß. Sie scheitert gelegentlich an der Zentralregulierung. Unser Ziel ist nicht Wachstum auf Teufel komm raus. Ein kontinuierliches Wachstum ist viel gesünder.
GM: So weit zur wirtschaftlichen Seite. McMedia bietet seinen Partnern auch Marketingleistungen.
Sidiropoulos: Im Sektor Marketing haben wir jede Menge Tools: Die Trendsetter-CD hat sich mittlerweile fest etabliert. Sie erscheint stets zur Monatsmitte und wird sehr stark von den Endverbrauchern nachgefragt. Zudem schalten wir jeden Monat in auflagenstarken Spielemagazinen Anzeigen für unsere Händler. Wir haben eine Internetseite, auf der alle Fachgeschäfte aufgeführt sind. Das Ziel der Webseite ist es, dem Endverbraucher die Marke McMedia zu vermitteln und dadurch mehr Kunden in die Geschäfte zu bekommen. Highlight des Marketings sind unsere Spezialprospekte, von denen pro Jahr drei Ausgaben erscheinen. In diesem Jahr ist der erste Prospekt zum Ostergeschäft erschienen, zwei weitere werden fürs Weihnachtsgeschäft produziert, einer im Oktober und einer im Dezember.
GM: Zum Markt allgemein: Die Lage ist schwierig und angespannt. Eine Reihe von Insolvenzen im Handel sprechen hier eine deutliche Sprache. Gleichwohl sind in diesem Jahr zwei neue Plattformen auf den Markt gekommen, die doch Wachstum versprechen.
Sidiropoulos: Wir sind mit dem ersten Halbjahr 2002 sehr zufrieden. Das hat ganz klar auch mit den neuen Konsolen zu tun, wobei bei uns speziell die Umsätze mit Sony förmlich explodiert sind. Sie haben sich mehr als verdoppelt. Das betrifft das Direktgeschäft mit Sony und das Geschäft über unsere Großhandelspartner. Auch mit dem Start des GameCube sind wir bislang sehr zufrieden. Nintendo ist in der Launchphase optimal vorgegangen. Die Xbox ist unter unseren Erwartungen geblieben. Microsoft ist es bislang nicht gelungen, das Potenzial des ohne Zweifel hervorragenden Produkts optimal auszuschöpfen. Aus meiner Sicht herrscht auch noch dringender Nachholbedarf bei der Kommunikation gegenüber dem Fachhandel. Nachdem der Start mehr als schief gelaufen ist, ist es mir unverständlich, dass bis heute das Thema Lagerwertausgleich bei der Xbox noch nicht geklärt ist. Ähnlich verhält es sich bei der Software. So kann man nicht vorwärts kommen. Das Produkt ist gut, und ich bin davon überzeugt, dass man daraus viel mehr machen kann. Auch mit der Entwicklung des GBA können wir im Moment nicht zufrieden sein. Betrachtet man unsere gesamte Ausrichtung auf den Spielwarensektor, ist der Game Boy fast ein Muss. Jeder unserer 300 Händler im Videospielebereich hat den Game Boy im Sortiment. Insofern ist es für uns ganz wichtig, dass das Thema GBA ein größeres Gewicht bekommt. Ich bin zuversichtlich, dass Nintendo bald die nötigen Maßnahmen einleiten wird, um den Abverkauf zu forcieren. Nichtsdestotrotz erwarte ich in diesem Jahr ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft. Ich bin davon überzeugt, dass wir im Hardwaresektor eine neue Preisrunde erleben werden. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft werden wir in diesem Bereich eine Situation haben, wie sie auf dem US-Markt bereits gegeben ist. Dort kosten Xbox und PS2 aktuell 199 Dollar, GameCube 149 Dollar. In Europa könnten ab Herbst vergleichbare Euro-Preise für die Konsolen gelten. Außerdem rechne ich mit einer großen Werbeschlacht der Hersteller. Zudem erwarte ich positive Impulse von der GC - Games Convention in Leipzig. Damit haben wir endlich eine Gamesmesse in Deutschland, die in Verbindung mit dem Medieninteresse und dem Weihnachtsgeschäft der gesamten Branche nur gut tun kann. Wir sind sicher, dass unsere McMedia-Partner entscheidend am Marktwachstum partizipieren werden.