Neue Titel und neue Niederlassungen - Ravensburger Interactive hat im vergangenen Jahr die Basis für eine wirtschaftlich gesunde Expansion als Spielepublisher geschaffen. GamesMarkt.de sprach mit den Geschäftsführern Thomas Kirchenkamp und Christoph Vilanek über neue Strukturen, Umsatzziele und die Chancen im Casual-Games-Markt.

GamesMarkt.de Ravensburger Interactive hat den Bereich Musik & Video an RTV abgegeben. Warum haben Sie sich letztendlich dazu entschlossen?

Christoph Vilanek: Der Bereich Musik & Video war bei uns immer ein eigenständiges Geschäftsfeld, für das wir vor allem die Vertriebsfunktion übernommen haben. Die meisten Themen bei Ravensburger Musik & Video kommen von RTV. Und da RTV Pläne für eine Ausweitung der Aktivitäten hat, war es aus Sicht der Ravensburger-Gruppe eine kluge Entscheidung, das gesamte Segment bei RTV anzusiedeln. Im Laufe des Jahres werden wir auch die Vertriebsverantwortung an RTV abtreten, die wir bislang noch innehalten.

Thomas Kirchenkamp: Generell geht es uns aber auch darum, Ravensburger Interactive stärker zu fokussieren. Aus diesem Grund haben wir unsere Aktivitäten unter dem Label Fishtank auf der einen und dem Bereich Family Entertainment auf der anderen Seite gebündelt. Family Entertainment schließt sowohl Kindertitel wie "Fünf Freunde" als auch die Casual- Games wie Brettspieladaptionen oder "Moorhuhn" ein.

GM: Wo setzen Sie die Schwerpunkte bei Family Entertainment für 2001?

Vilanek: Eines der Hauptthemen ist die Fortsetzung von "Moorhuhn". Wir wollen unseren bisherigen Erfolg weiter ausbauen. Die Zahlen sind ja hinlänglich bekannt: Wir haben vom ersten und zweiten PC-Spiel jeweils um die 280.000 Units verkauft, und auch die Game Boy- und PSone-Version sind ein Erfolg. Mit über 40.000 bzw. über 25.000 Units haben sich auch die kleinen und die großen Moorhuhn-Puppen sehr gut verkauft. Für 2001 steht nun die Zweitvermarktung der Software, inklusive der Auswertung in Compilations, an. Es wird zudem zwei neue "Moorhuhn"-Titel geben, einen im Frühjahr, den anderen im Herbst. Schließlich ist auch eine Preissenkung bei der Puppe geplant, um auch dort in eine Art "zweite Runde" zu gehen.

GM: Und außer dem "Moorhuhn"?

Vilanek: Neben dem "Moorhuhn" gibt es drei weitere Schwerpunkte im Family-Entertainment-Sektor. Im Frühjahr erscheint der "Uli Steins Kuss-Shooter". Bei entsprechendem Erfolg - und davon gehen wir aus - haben wir einen zweiten Titel bereits in der Mache. Weiterhin steht die Fortsetzung unserer Kinderreihen, insbesondere der "Fünf Freunde" und der Titel rund um das Thema "Pferde", auf dem Plan. Schließlich erweitern wir auch den Bereich Brettspielumsetzungen um "Das Labyrinth".

GM: Wie ist der Kontakt mit "Uli Stein" entstanden?

Kirchenkamp: Ganz einfach: Wir haben die Uli Stein-Agentur kontaktiert. Er selbst war von dem Konzept spontan begeistert und angetan. Wir haben das Konzept auch einigen Handelspartnern vorgestellt und ein äußerst positives Feedback bekommen. Das ist natürlich keine Erfolgsgarantie, aber die Indizien sprechend deutlich dafür.

GM: Ravensburger hat ein breites Sortiment an Brettspielen. Warum setzt Ravensburger Interactive nicht mehr Brettspiele um?

Kirchenkamp: Wir sind das Thema zunächst bewusst vorsichtig angegangen, um vom Markt zu lernen. Nach dem Erfolg mit "Catan" sind wir jetzt an dem Punkt angelangt, Produkte von ihrer Funktionalität und vom Preispunkt her so zu entwickeln, um ein Massenpublikum anzusprechen. Beispielsweise haben wir gelernt, dass Brettspielumsetzungen nicht wie Hardcoregames, sondern eben wie Brettspielumsetzungen auszusehen haben. Das ursprüngliche Brettspiel muss wiedererkannt werden.

Vilanek: Beim Thema Brettspieladaptionen gibt es leider ein weiteres Problem, und zwar in der Kommunikation. Die Wertungen in der Gamespresse fallen generell schlechter aus. Es gibt kein Medium und keine Rubrik, die sich explizit mit Brettspieladaptionen oder anderen Casual-Games beschäftigen. In der Folge entsteht manchmal ein Platzierungsproblem. Wir sind aber davon überzeugt, dass sich die Situation mit wachsender Bedeutung des Casual-Games-Markt verbessern wird.

GM: Die mangelnde Unterstützung macht diesen Markt also besonders heikel?

Kirchenkamp: Nicht unbedingt. Die Konsumenten kaufen im Casual-Games-Markt nach Titel, nicht nach Qualität. Die Casual- Gamer haben keinen Referenzmaßstab. Und um auf die Presse zurückzukommen: Bei "Moorhuhn" haben uns die niedrigeren Bewertungen nicht geschadet. Wir haben die Coverage in den Massenmedien wie "Focus" oder "Bild" erreicht. Und das ist die Presse, die von den Casual- Gamern gelesen wird.

GM: Die Ravensburger-Gruppe hat auf der Spielwarenmesse erste Kennzahlen vorgelegt. Würden Sie das Ergebnis von Ravensburger Interactive bitte kommentieren?

Vilanek: Wir hatten im vergangenen Jahr in unserem Bereich ein Umsatzwachstum von 38 Prozent auf über 25 Mio. Mark. 2000 mussten wir einige Vorinvestitionen wie den Aufbau von Fishtank oder die Absicherung von Rechten, tätigen. Insgesamt sind wir zuversichtlich, in diesem Jahr die Früchte unserer Investitionen ernten und unseren Umsatz verdoppeln zu können.

Kirchenkamp: Die geplante Verdopplung des Umsatzes beruht auf zwei wesentlichen Faktoren. So ist unser Produktportfolio - vor allem unter dem Fishtank-Label - wesentlich größer als im Vorjahr. Der zweite Punkt ist die Ausweitung unserer Vertriebsaktivitäten. Seit Oktober 2000 agieren wir in Nordamerika mit einer eigenen Niederlassung. Seit Januar 2001 sind wir auch in Frankreich mit einem Office vertreten. Wir glauben, dass wir 20 Prozent unseres diesjährigen Umsatzes in den USA generieren werden.

GM: Sollen weitere Niederlassungen, vielleicht in Großbritannien, eröffnet werden?

Vilanek: Wir haben die Internationalisierung in den letzten Monaten sehr genau geprüft. Die USA und Frankreich haben wir als Kernmärkte identifiziert. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Großbritannien im Wesentlichen ein Folgemarkt der USA ist. In der Konsequenz entwickeln wir für den US-amerikanischen Markt und platzieren unsere Titel in Großbritannien mit Hilfe eines Distributionspartners. Generell wollen wir natürlich jedes Thema und jeden Markt selbst bedienen - so lange wir dabei profitabel arbeiten können. Wir schließen deshalb auch nicht aus, dass wir auch in Frankreich oder den USA vereinzelt mit Drittfirmen arbeiten werden.

GM: Der US-Markt ist kein einfaches Pflaster für europäische und vor allem deutsche Publisher. Welche Vorteile hat Ravensburger Interactive durch die Repräsentanz in Übersee?

Vilanek: Durch unsere Achse nach Amerika fällt es wesentlich leichter, Kontakt zu neuen Partnern herzustellen, da jemand von uns vor Ort ist, der die Branche schon seit Jahren kennt. Vor allem im Bereich Hardware und explizit bei Grafikkartenherstellern merken wir Synergien, die wir vorher gar nicht kannten.

GM: Ist "AquaNox" auch für Xbox geplant?

Vilanek: Ja, wir haben neben der PC- auch gleich die Xbox-Version in Auftrag gegeben. Allerdings wird es bei der Xbox-Version logischerweise eine umgekehrte Veröffentlichungsreihenfolge geben. Das heißt, die Xbox-Version wird zuerst in den USA und erst später in Europa veröffentlicht.

GM: Wie beurteilen Sie generell den Konsolenmarkt, nachdem Sega die Hardwareproduktion einstellt und Sony vorerst ohne neue Konkurrenz agieren kann?

Kirchenkamp: Der Konsolenmarkt gewinnt immer mehr an Bedeutung. Natürlich müssen wir als Publisher auch in diesem Markt präsent sein. Unser Fokus liegt derzeit auf PlayStation 2 und auf Xbox. Wir haben mehrere Titel in Entwicklung, die aber erst Ende dieses bzw. Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Natürlich schauen wir aber auch mit offenen Augen auf die beiden neuen Plattformen von Nintendo.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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