"Jede vierte Mark mit Videospielen"
Rund 30 Hard- und Softwarepublisher werden auch in diesem Jahr die Fahnen der Computer- und Konsolenspielebranche auf der Spielwarenmesse hoch halten. GamesMarkt.de sprach mit Gerd Bise, Vorstandsvorsitzender der Spielwarenmesse eG, über die generelle Entwicklung der Messe sowie über die Bedeutung von PC- und Konsolensoftware für den Spielwarenhandel.
GamesMarkt.de: Die Spielwarenmesse eG rechnet auf der Spielwarenmesse International Toy Fair mit einem geringen Ausstellerplus und konstanten Besucherzahlen. Sind Sie mit der generellen Entwicklung der Messe zufrieden? Gerd Bise: Vor dem Hintergrund der zuletzt rückläufigen Entwicklung bei den internationalen Konsumgütermessen konnte die Spielwarenmesse in ihrer internationalen Relevanz erneut deutlich zulegen. Mit 2.837 Ausstellern und rund 55 000 erwarteten Fachbesuchern aus aller Welt hebt sie sich auch 2002 deutlich vom Trend ab. Sie ist somit die Nummer Eins der Branche weltweit. Eine Tatsache, die für das enorme Potential der Aussteller und Besucher spricht.
GM: Spiegelt sich in der Entwicklung der Messe auch die Entwicklung auf dem Spielwarenmarkt allgemein wider? Bise: Der deutsche Spielwarenmarkt zeigte sich in den ersten 3 Quartalen 2001 im Vorjahresvergleich stabil. Trotz der angespannten weltpolitischen Lage verlief auch das aktuelle Weihnachtsgeschäft positiv, so daß sich die Ausgaben für Spielwaren ohne große Umsatzrückgänge auf konstantem Niveau halten konnten. Aufbruchstimmung ist dagegen in der kommenden Spielwarensaison zu erwarten: Dafür sorgen vor allem im Interactive-Bereich die Markteinführungen von xbox und Gamecube sowie die starken Lizenzthemen Harry Potter und Herr der Ringe.
GM: Wie auch schon in den Vorjahren steht den Anbietern von Hard- und Software auf der Spielwarenmesse eine eigene Halle zur Verfügung. Rechtfertigt die Resonanz der Hard- und Softwarepublisher das Privileg einer eigenen Halle? Bise: Schon heute wird im Spielwarenhandel mit einem Volumen von rund 6,23 Milliarden Mark (2000) jede vierte Mark mit Video- und Computerspielen umgesetzt. Allerdings ist der Markt auf Anbieterseite hochkonzentriert. Dies gilt für Hardware- als auch für Softwarehersteller. Die Halle 8 ermöglicht es, auf die besonderen Präsentations-Anforderungen der Interactive-Branche adäquat einzugehen. Über 30 internationale Aussteller aus dem Bereich Interactive werden zur kommenden Spielwarenmesse Video- und Computerspiele ausstellen. Neben den Branchenführern Nintendo und Microsoft präsentieren unter anderem Infogrames, 3P, Vivendi und Big Ben Interactive ihre Produkte und Neuheiten. Die Spielwarenmesse ist bemüht, auch in Zukunft ihrem internationalen Klientel ein möglichst breites Angebot des dynamischen und hochinnovativen Segmentes der Interactive-Unterhaltungselektronik anbieten zu können.
GM: Mit Microsoft und Nintendo stellen zwei von drei Konsolenanbieter in Nürnberg aus. Wie wichtig waren diese beiden Zusagen für das Konzept der Halle 8? Bise: Es geht hier nicht primär um die Wichtigkeit für das Konzept der Halle 8, sondern vielmehr um die Relevanz dieser Messebeteiligungen für den deutschen und auch europäischen Interactive-Markt. Nintendo und Microsoft werden auf der internationalen Plattform der Spielwarenmesse die Markteinführung von gamecube und xbox effektvoll in Szene setzen. Erstmalig werden die Next-Generation-Konsolen vor Markteintritt im Frühjahr 2002 einem internationalem Fachpublikum präsentiert. Die Zusagen von Microsoft, Nintendo und anderen blue chips der Interactive-Branche bestätigen, daß wir mit der überarbeiteten Konzeption der Halle 8 den Ansprüchen der Branche gerecht werden können und als kompetentes und konzentriertes Präsentationsforum im Kreis weniger Consumer-Software-Veranstaltungen überzeugen können.
GM: Die im VUD organisierten Softwarepublisher streben mit der GC - Games Convention einen eigenen Branchenevent in Deutschland an. Könnte eine erfolgreiche GC zur Bedrohung für die Präsenz von Videogame-Firmen auf der Spielwarenmesse werden? Bise: Die Qualität der Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg ist als internationaler Treffpunkt für die Branche des Spielens und der Freizeitgestaltung unbestritten. Als Aussteller der Spielwarenmesse konnte beispielsweise Nintendo, auf der, laut Konzernaussage, wichtigsten Salesmesse Kontinentaleuropas, bereits zur Europa-Premiere des Gameboy Advance einen Nachfrageschub von rund 250 Millionen Mark verzeichnen. Der Vorteil der Spielwarenmesse liegt eindeutig in ihrem Besucherpotential: Gerade im Hinblick auf die Präsenz international bedeutender Zentral- und Facheinkäufer ist die Spielwarenmesse mit rund 55 000 Facheinkäufern aus rund 120 Ländern ein unverzichtbares Absatzinstrument der Interactive-Branche. Die Einführung neuer Hardware-Generationen erfordert die Einbeziehung verschiedenartiger Vertriebskanäle. Ziel der Branche muß es daher sein, neben dem Vertriebsschienen der Mediamärkte und Megaseller auch verstärkt den Spielwarenfachhandel als Vertriebspartner miteinzubeziehen. Von einer Bedrohung der Präsenz von Videogame-Firmen auf der Spielwarenmesse kann im Hinblick auf das Potential der Weltleitmesse für Spielen und Freizeitgestaltung nicht gesprochen werden.
GM: Gibt es Ihrer Meinung nach Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen der Spielwarenmesse eG und der Leipziger Messe, den Veranstaltern der GC? Bise: Ein charakteristisches Merkmal der Consumer Software Branche ist ihre individuell unterschiedliche Zielgruppenausrichtung und damit verbunden ihre Präsentations-Flexibilität. Sichtbares Indiz hierfür ist die Nicht-Existenz wirklich reiner PC- und Videospielmessen. Die einzige, die diesen Namen zu Recht tragen könnte, ist die E3 in Los Angeles, wobei hier jedoch keine klaren Besucherdaten vorliegen. Individuelle Präsentationsmöglichkeiten, ein hochqualitatives Besucherpotential und internationales Ausstellerumfeld sind nur einige der Faktoren, die die Spielwarenmesse zum kompetenten Präsentationsforum für die Consumer Software-Branche machen. Die Typologie der Leipziger Aktivitäten unterscheidet sich deutlich von der Spielwarenmesse. So ist die Spielwarenmesse eine global ausgerichtete b-to-b Veranstaltung, wohingegen die Game On starke Akzente auf Verbraucher des Großraumes Leipzig setzt. Aufgrund der konzeptionell gravierenden Unterschiede bietet sich eine Kooperation nicht an.