Nach etlichen Monaten der Ungewissheit startet Virgin Interactive Entertainment (VIE) wieder durch. Mit neuen Konzepten und unter neuer Leitung soll vor allem auch die Hamburger Niederlassung an Bedeutung gewinnen.

Als Electronic Arts und Spelling im August '98 ein definitives Kaufabkommen unterzeichneten, schien VIE Opfer der allgemeinen Marktkonsolidierung zu werden. EA pickte sich die Rosinen aus der VIE-Masse, den Rest kaufte das Management aus. Im vergangenen Jahr schuf Titus Interactive durch Beteiligungskäufe an VIE und Interplay ein Firmenkonglomerat mit großem Wachstumspotenzial: Erst vor wenigen Wochen sicherte sich der "Finanzier" Titus über die Emission von Obligationen eine Summe von 120 Mio. Euro. Eine Verschmelzung der drei Firmen kommt aber nicht in Frage. "Titus ist in Paris, Interplay am Nasdaq notiert, und vielleicht geht irgendwann auch VIE an die Börse", begründet Knut-Jochen Bergel, seit Jahresbeginn Chef der deutschen VIE-Niederlassung, den börsenbedingten Separatismus.

Für das Firmenkonglomerat heißt es deshalb, Synergien aus den unterschiedlichen Stärken zu schöpfen. Diese liegen bei VIE eindeutig im europäischen Vermarktungsnetzwerk. Bergel, der aus seiner Zeit bei Eidos Interactive und HMH Hamburger Medienhaus Erfahrungen in Vertrieb, Marketing und Business Development mitbringt, will den deutschen "Arm" der Firma neu ausrichten. "Den japanischen Konsolenmarkt vernachlässigt, ist Deutschland der zweitgrößte Markt der Welt", sieht Bergel selbstbewusst die Bedeutung der Hamburger Filiale. Zudem gebe es hier eine intakte Struktur, die nach einer Neuausrichtung auch Vorbild für andere Niederlassungen sein könne. Doch nicht nur mit Virgin Interactive hat Bergel einiges vor. Avalon wird zu 95 Prozent ebenfalls als eigenständiges Unternehmen bestehen bleiben.

"Wir arbeiten gerade an einem Konzept, das in den nächsten Jahren eine phantastische Wirkung haben wird", ist Bergel optimistisch. Es gehe darum, auf die derzeitigen Veränderungen im Handel zu reagieren. Immer mehr Absatzkanäle beschäftigen sich mit der Thematik Software, benötigen durch ihre Kundenstruktur aber unterschiedliche Sortimente. Der Produktkatalog soll deshalb in fünf Bereiche kategorisiert und den Handelspartnern ein maßgeschneidertes Sortiment angeboten werden. Die klassischen Games sind ein Segment, der Buchbereich ein zweites. Gerade hier sieht Bergel enormes Wachstumspotenzial. Jüngst wurde mit Modern Media ein Abkommen unterzeichnet. Neben Lösungsbüchern hat Bergel auch die Computerliteratur im Visier, die sich immer weniger im Buchhandel und dafür mehr in den großen Märkten verkauft. Gerade kleinere Verlage könnten von Avalons Kontakten profitieren.

Als Drittes nennt Bergel den TV/Lizenzbereich. Angestrebte Partnerschaften will er im Moment ebensowenig nennen wie die Segmente vier und fünf. Es handle sich aber um logische Ergänzungen. "Wir werden allen Handelsbereichen zukünftig ein Sortiment bieten, welches Avalon neben den traditionellen auch neue Absatzkanäle eröffnen wird", so Bergel.

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