Planet Wachowski
Vier lange Jahre hat es gedauert, bis die Wachowskis endlich "Matrix Reloaded" ins Kino bringen. Doch dafür lassen sie die Neo-Jünger nun jenseits der Leinwand noch tiefer in den Code blicken.
Rückblende: "Unglücklicherweise kann man nicht erklären, was die Matrix ist. Jeder muss es selbst erleben." Der legendäre Satz von Laurence Fishburne alias Morpheus aus dem ersten Teil lässt viel Platz für Interpretationen. Eines steht jedoch außer Frage: "Matrix" ist zweifelsohne absoluter Kult. Und der am 22. Mai in den deutschen Kinos anlaufende zweite Teil der Trilogie - "Matrix Reloaded" - wird diese Hysterie mit Sicherheit erneut anheizen.
Wer es gar nicht mehr erwarten kann, erneut in das mysteriöse Welt der Matrix einzutauchen, kann sich bereits eine Woche früher mit dem offiziellen Spiel zum Film ("Enter The Matrix") vergnügen oder sich die vier auf "The Animatrix"(www.theanimatrix.com) kostenlos angebotenen Animes ansehen.
Der Clou: Egal ob Film, Spiel oder Animes - die für die Matrix-Saga zuständigen Brüder Andy und Larry Wachowski (Regie und Drehbuch) haben bei allen Spin-offs ihre Finger im Spiel. Und genau das unterscheidet die Geschichte um Neo und die anderen Freiheitskämpfer von den Merchandising-Schlachten anderer Blockbuster.
Laut "Matrix"-Produzent Joel Silver dient die Synergie, die den Film multimedial ergänzt und erweitert - Animes, Website, Videogame und Kinoerlebnis - einzig und allein der ursprünglichen Geschichte: "Alles zusammen macht deutlich, was es mit dem komplexen Universum der Matrix auf sich hat." Wer also hinter die Kulissen des grünlich schimmernden Zahlen-Wasserfalls blicken will, muss sich sowohl die Filmtrilogie als auch Game und Animationen zu Gemüte führen.
"Matrix" mal drei
Nach dem enormen Erfolg des ersten Teils (der Film spielte knapp 500 Millionen Dollar ein, vier prestigeträchtige Oscars wurden ebenfalls eingeheimst) beschlossen die Wachowski-Brüder, eine ganze Serie weiterführender Projekte, um die Welt der Matrix auf mehrere Medien auszudehnen.
Zunächst wollten sie eine Reihe von kurzen Anime-Filmen produzieren, die im Matrix-Universum angesiedelt sind. Außerdem sollte der Start der neuen Filme vom ersten "Matrix"-Videogame begleitet werden: das von Shiny Entertainment entwickelte "Enter the Matrix".
Die Wachowskis legten großen Wert darauf, alle Bereiche der von ihnen geschaffenen Welt federführend auszugestalten. Vier der Drehbücher zu den insgesamt neun Anime-Filmen (die DVD kommt im Sommer in den Handel) mit dem Titel "Animatrix"schrieben sie selbst; die restlichen fünf segneten sie persönlich ab.
"The Final Flight of the Osiris", in dem die Macher von "Final Fantasy" ihre neue Generation fotorealistischer Computerbilder vorstellen, war bereits als Vorfilm von "Dreamcatcher" in den Kinos zu sehen. "Second Renaissance" berichtet, wie es zur Machtübernahme der Maschinen kam - aus Sicht der Maschinen wohlgemerkt!
Die Wachowski-Brüder verfassten außerdem das 244-Seiten starke Skript für das Video-Game. Anders als in der Branche üblich drehten sie dafür sogar eigens neue Szenen mit den Darstellern des Kinofilms, demselben Team und denselben Sets. Dadurch wird das Spiel von knapp 60 Minuten langen, exklusiven Filmsequenzen unterstützt, die es im Kino nicht zu sehen gibt!
"Für uns war das nicht nur eine übliche Lizenz", stellt Christian Gloe, Infogrames Managing Director Europe, klar, "wir haben eine neue Dimension in der Zusammenarbeit zwischen Hollywood und der Gamesindustrie geschaffen". Laut Bruno Bonnell, CEO des Publishers Infogrames, ist "Enter the Matrix" "eines der teuersten Games der Geschichte und ein Meilenstein der Spieleindustrie". Rote Pille? Blaue Pille? Keine Frage: rot!