Am 4. Oktober wurde der zum größten Elektrofachmarkt der Welt umgebaute Saturn in Hamburg wieder eröffnet. GamesMarkt.de war vor Ort und begleitete Anetta Noske, Verkaufsleiterin Software, am Eröffnungstag.

7.00 Uhr, die Großstadt erwacht langsam. Wie Schatten huschen letzte Gestalten der Nacht über den Bordstein der Südseite des Hamburger Hauptbahnhofs. Nur 200 Meter entfernt erhellt ein bläulicher Schimmer die andere Straßenseite. Er kommt vom hinteren Teil des Saturn-Gebäudes an der Mönckebergstraße 1. Wer zu dieser Uhrzeit in das Gebäude will, hat nur eine Möglichkeit: den Personaleingang.

Eine lange Schlange hat sich vor der Eisentür gebildet. Die Sicherheitsleute am Personaleingang nehmen ihren Job ernst; jeder Mitarbeiter und jeder Gast muss Namen und Uhrzeit in eine ausgelegte Liste eintragen. Alle privaten elektronischen Geräte, die es auch bei Saturn zu kaufen gibt, werden akribisch erfasst. Im Unterschied zu Flughäfen wird man hier abends, beim Verlassen der "Sicherheitszone", mit einem Metalldetektor überprüft. Nach der Prozedur geht es durch den mit einer Glasfront in Raucher- und Nichtraucherareal getrennten Pausenraum zur Verkaufsfläche. 40 Minuten vor Eröffnung ist von Hektik keine Spur. Dennoch ist die Anspannung aller Saturn-Mitarbeiter spürbar. Seit Wochen haben sie auf diesen Tag hingearbeitet. Den Tag, an dem der Umbau abgeschlossen und der weltgrößte Elektrofachmarkt in Hamburg seine Pforten öffnen wird.

Menschenschlangen schon vor Eröffnung

9.00 Uhr, nach einer Stunde ist der erste Ansturm vorbei. Anetta Noske sitzt zurückgelehnt in ihrem Bürostuhl. Rund 250 Schnäppchenjäger und Frühaufsteher hatten sich vor dem Haupteingang versammelt. Kaum dass die Türen geöffnet wurden, stürmten sie auf die 20.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche, zielstrebig auf der Suche nach den Sonderangeboten, die Tags zuvor per Zeitungsbeilage angepriesen worden waren. Anetta Noske ist Verkaufsleiterin Software und damit Herrin über die Softwareabteilung, die sich über stolze 1200 Quadratmeter erstreckt. Ihr Büro ist etwa 20 Quadratmeter groß. Und die muss sie sich noch mit einem Kollegen teilen. Die L-förmigen Schreibtische stehen symmetrisch mit den längeren Seiten zueinander in der Mitte des Raums. Dazwischen ist gerade so viel Platz, dass eine Person durchgehen kann.

Leger und offen trägt sie ihr dunkelblaues Saturn-Hemd, die Ärmel aufgekrempelt. Neben ihr, in der Hocke, ihr Stellvertreter und Spieleexperte Lars Kuglowski. Hinter den beiden steht leicht vorgebeugt Günter Brehmer, Produktmanager Computer Software in der Ingolstädter Saturn-Verwaltung. Er unterstützt die Märkte vor Ort bei jeder Neu- und Wiedereröffnung. Selbstverständlich hat auch er in den Tagen vor dem großen Opening selbst mit angepackt. Alle drei starren auf einen Bildschirm. Man könnte meinen, es laufe ein saisonentscheidendes Derby zwischen dem HSV und St. Pauli. Doch tatsächlich spielt sich auf dem Monitor die wahrscheinlich realste Wirtschaftssimulation der deutschen Softwarebranche ab. Das Warenwirtschaftssystem von Saturn erlaubt es den Abteilungsleitern, minutenaktuell die Verkäufe des Hauses einzusehen. Die Umsätze sind grafisch nach Sortimentsbereich aufbereitet. Per Doppelklick öffnet sich ein kleines Fenster und weist tabellarisch jeden Posten aus: Artikel, verkaufte Menge, Umsatz, Spanne, alle Informationen, die ein Kaufmann/frau braucht.

Verkehrschaos in der Innenstadt

Als zusätzliche Motivation können sich die Verkaufsleiter stündlich über eine Topliste mit den Kollegen aller anderen Saturn-Märkte Deutschlands messen. Detaillierte Verkaufsinformationen der anderen Häuser stehen allerdings nicht zur Verfügung. Der tägliche Wettstreit ist in vollem Gange, das Tagesziel für Hamburg eindeutig: Schon ein zweiter Platz wäre eine Niederlage. Der Vormittag verläuft für Anetta Noske relativ ruhig. Nach dem ersten Ansturm scheint sich die Kauflust der Hanseaten etwas gelegt zu haben. Bis auf kleinere Nachfragen ihrer Verkaufsmitarbeiter und der Kassiererinnen läuft alles reibungslos. 14.30 Uhr, lächelnd und mit einer Meterpackung Dominosteine als Nervennahrung kehrt Anetta Noske aus der Mittagspause zurück. Als Erstes wirft sie einen Blick in die aktuelle Verkaufsstatistik.

Alles okay. "Ich esse wahnsinnig viel", sagt sie und reißt die Dominosteinpackung auf, "aber ich verbrenne auch viel." Mit den Nachmittagsstunden nimmt der Andrang im und rund um den Saturn wieder zu. Wie schon vor zwei Jahren geht nichts mehr auf den Straßen in der Umgebung. Damals hatte der erste und nach wie vor einzige Saturn Hamburgs noch auf drei Etagen die Mönckebergstraße 1 erobert. Die Autos stauen sich um das Gebäude herum und blockieren die rechte Spur des Steintor Walls bis weit hinter den Hauptbahnhof. Das Parkhaus ist längst zur nervenaufreibenden Zeitfalle geworden. Bis zu drei Stunden brauchen die Autos, um sich Zentimeter für Zentimeter nach unten auf die Straße zu schieben - um dort auf die ankommenden Kunden zu stoßen. In einem riesigen Blechhaufen kommt der Verkehr schließlich zum Erliegen.

Auch im Büro der Verkaufsleiterin wird es hektischer. Vertreter der Lieferanten, die im Saturn feste Themenwelten aufgebaut haben, geben sich die Klinke in die Hand, Promoter machen eine Rauchpause vom ständigen Erklären und Anpreisen ihrer Produkte, und ein Verkäufer nach dem anderen betritt den Raum, um Einwilligung und Unterschrift für einen Umtausch von der Verkaufsleiterin einzuholen. Als wenige Minuten später einer ihrer Azubis zum zweiten Mal nach einer Kopfschmerztablette fragt, steht sie ihm fürsorglich mit Rat und Tat zur Seite. Ihr Team und die Stimmung im Team sind ihr genauso wichtig wie die Leistung, die ihre Mitarbeiter bringen. Anetta Noske verlässt ihren Schreibtisch, sperrt den Computer mit dem Warenwirtschaftssystem ab und geht auf "die Fläche".

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Sie wirkt angespannt und sehr konzentriert. Es sind lange Wege abzuschreiten. Saturn testet in Hamburg eine Zweiteilung der Softwareabteilung. Die PC- und Konsolenspiele sind zusammen mit der Kindersoftware im Erdgeschoss platziert, die Anwendungs-, Utility- und Ratgebersoftware im Untergeschoss. Dicht gedrängt stehen die Kunden zwischen den Regalen. Ein Durchkommen ist alles andere als einfach. Als Anetta Noske endlich die Softwareinfotheke im Untergeschoss erreicht, bleibt sie stehen. Wie ein Magnet zieht ihr blaues Hemd die Menschen an; fast pausenlos fragen Kunden nach Preisen und Produkten, wollen beraten werden. Zwischendurch mustert Anetta Noske systematisch die Regale, eines nach dem anderen. Nichts entgeht ihren Augen. Weder durcheinander geratene Produktschachteln noch falsche Preisschilder. Was könnte noch verbessert werden? Was ist noch nicht perfekt? Unordnung toleriert sie nicht. Eigenhändig sortiert sie Titel wieder in die Regale ein, die Kunden im Eifer des Gefechts an der Softwareinfotheke stehen gelassen haben.

Es ist zu spüren, dass sie und ihr Team "die Fläche" im Vorfeld gut betreut haben. Trotz des immensen Andrangs bleibt das umfangreiche Sortiment übersichtlich und ansprechend. "Eine gute Vorbereitung ist schon 80 Prozent der Arbeit", sagt die Verkaufsleiterin. Und die macht sich gerade an solch einem Tag, an dem unzählige Kunden die Verkäufer auf Trab halten, bezahlt. Als um 20.15 die letzten Kunden nach und nach Richtung Ausgang schlendern, sitzt Anetta Noske zurückgelehnt in ihrem Stuhl. So viel ist sicher, die Abteilung war auf diesen Tag gut vorbereitet. Größere Pannen oder gar Katastrophen sind ausgeblieben. Zeit, den Champagner zu öffnen mit ihrem Team und den verbliebenen Industrievertretern den Erfolg zu begießen.

Es war eine der besten Eröffnungen von Saturn überhaupt: Bereits in den Mittagsstunden hatte Hamburg die Spitzenposition unter den Saturn-Märkten erklommen und den Vorsprung bis zum Ladenschluss immer weiter ausgebaut. Anetta Noske lacht entspannt. Morgen, wenn die Ladentüren nicht um 8.00 Uhr, sondern zur gewohnten Zeit, um 9.30 Uhr, aufgehen, wird für sie der Tanz zwischen Büro und "Fläche", das Spiel zwischen Einkauf und Verkauf, von Neuem beginnen.

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